Der ungeliebte Busen CDU lässt umstrittene Werbung eines Ortsverbandes aus dem Netz nehmen
WANDLITZ. Seit Kulturministerin Johanna Wanka im Oktober das Zepter in der CDU übernommen hat, werkeln die Strategen der Partei an einem Imagewandel - hin zur modernen Kraft mit Frauen-Power. "Tag die Herren!" grüßen denn auch Wanka, die neue Fraktionschefin Saskia Funck und Bundestagsspitzenkandidatin Katherina Reiche in selbstbewusster Pose und Business-Look von einem Werbeplakat der Landespartei.
An der Basis ist die neue Linie noch nicht überall angekommen. Die CDU in Wandlitz (Barnim) etwa warb bis gestern in ihrem Internet-Auftritt mit viel nackter Haut und einem Frauen-Dekollté. Nach Intervention der Bundespartei wurde das Bild nun ohne Rücksprache mit den Verantwortlichen entfernt.
"Lassen Sie es nicht rot werden", steht in großen Lettern über dem prallen Busen im knappen Bikini, bis gestern ganz oben auf der Startseite der Wandlitzer Christdemokraten. "Wählen Sie einen hohen Sonnenschutzfaktor oder CDU", lautet der kleingedruckte Text darunter. Viele Unions-Frauen fanden das gar nicht lustig.
"Einfach nur plump"
"Voll daneben!", lautete etwa der Kommentar von Monika Schulz, Landesvorsitzende der Frauen-Union. Wieder einmal würden Frauen nicht als denkende Menschen dargestellt, sondern als reine Dekoration. "Diese Form der Werbung wirkt im Wahlkampf einfach nur plump", befand Schulz. Die Chefin der Landtagsfraktion, die 40-jährige Saskia Funck, nahm es gelassener: "Weiblichkeit hat ja verschiedene Seiten. Die Landes-CDU wirbt mit anderen Attributen." Johanna Wanka fand die Angelegenheit sogar eher witzig.
Burkhard Lange, der Vorsitzende der Wandlitzer CDU, war von der Aufregung gestern richtig erschrocken. Erst vor 14 Tagen ist er an die Spitze des Gemeindeverbandes aufgerückt und nun auch der Internet-Verantwortliche der örtlichen Partei. Das sonnenbeschienene Dekolleté war schon vor ihm da. "Ich habe mir ehrlich gesagt gar nichts dabei gedacht. Ich fand es ganz lustig. Aber wir können das auch runternehmen." Keinesfalls dürfe die Darstellung als frauenfeindlich missverstanden werden, sagte er. "Das versteht sich doch von selbst. Schließlich haben wir eine Kanzlerin." Und noch einen Beleg für die Arglosigkeit der örtlichen Parteifreunde führte Lange, Dozent für Wirtschaftswissenschaften, ins Feld: Bei dem abgebildeten Foto handele es sich doch um offizielles Werbematerial der Bundespartei, das der CDU-Basis im Internet als Vorlage zum Herunterladen zur Verfügung stehe.
Das wurde vom Konrad-Adenauer-Haus gestern vehement dementiert. "Das Bild stammt nicht aus dem Bestand der CDU Deutschland", betonte eine Sprecherin nach langwieriger, interner Recherche gegenüber der Berliner Zeitung. Im Internet biete die Bundespartei den Basis-Verbänden lediglich die Zusammenarbeit mit vier verschiedenen Providern an. Zu denen bestehe aber keinerlei vertragliche Verbindung, sagte die Sprecherin. "Jeder Verband ist für seine Seite selbst verantwortlich!"
Allerdings nicht ganz. Als der Wandlitzer CDU-Chef Lange gestern Nachmittag nach der Arbeit auf seine Seite guckte, war die Busen-Werbung einfach verschwunden. Dabei ist er laut Impressum immerhin der Verantwortliche für die Seite nach dem Telemediengesetz. "Aber mit mir hat keiner gesprochen", versicherte Lange. Auch die Bundes- und die Landes-CDU wiesen jede Einflussnahme weit von sich. "Wir haben gar keine Zugriffsrechte", hieß es unisono.
Die hat der Provider Sharkness Media, der als Kooperationspartner zahlreiche CDU-Gliederungen betreut. Das Wandlitzer Dekolleté-Foto sei nur noch versehentlich im angebotenen Bestand gewesen, sagte Geschäftsführer Jörn Rhinow. Und die Bundes-CDU habe gestern angerufen, und sei von dem Motiv nicht begeistert gewesen. Da habe er das Foto von der Wandlitzer CDU-Seite entfernt. |